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Montag, 27. März 2017

Strategie-Schicht in ArchiMate 3.0

Jetzt wird es strategisch: der Architecture Layer in ArchiMate 3.0 verbindet Geschäftsfähigkeiten mit Handlungen und Ressourcen.
Das Metamodell für die Strategieschicht in ArchiMate 3.0

Die Strategieschicht von ArchiMate 3.0 dient dazu, die Geschäftsfähigkeiten einer Organisation zu modellieren. Es wird dargestellt, wie diese verändert werden (müssen), um das gewünschte Geschäftsergebnis zu erzielen. [1, S. 63]

Im oben abgebildeten Metamodell befinden sich vier verschiedene Elemente: Handlung, Geschäftsfähigkeit, Ressource und Ergebnis.

Handlung (engl.: Course of Action)


  • Eine Handlung kann strategisch oder taktisch sein.
  • Eine Handlung kann eine andere Handlung initiieren, Informationen für diese bereit stellen oder dieser dienen.
  • Eine Handlung beeinflusst ein Ergebnis (positiv oder negativ).
  • Eine Handlung wird durch eine Geschäftsfähigkeit realisiert oder von einer solchen unterstützt.

Ergebnis (engl.: Outcome)

  • Das Ergebnis wird von mindestens einer Handlung beeinflusst.
  • Das Ergebnis stammt aus der Motivationsschicht und wird hier deshalb thematisch nur angerissen.

Geschäftsfähigkeit (engl.: Capability)

  • Eine Geschäftsfähigkeit kann eine andere Geschäftsfähigkeit initiieren, Informationen für diese bereit stellen oder dieser dienen.
  • Eine Geschäftsfähigkeit realisiert eine Handlung oder dient dieser.
  • Eine Geschäftsfähigkeit kann einer aktiven Struktur zugeordnet sein.
  • Eine Geschäftsfähigkeit wird von einer aktiven Struktur realisiert.
  • Eine Geschäftsfähigkeit kann Ressourcen zugewiesen bekommen.

Ressource (engl.: Resource)

  • Eine Ressource ist einer Geschäftsfähigkeit zugewiesen.
Da eine Ressource ein eher abstrakter Begriff ist, kann diese gedanklich in mehrere Gruppen unterteilt werden (siehe separates Metamodell).
Metamodell für Ressourcen in der Strategieschicht von ArchiMate 3.0

Sachanlagen (Tangible Assets)
  • Physikalische Vermögenswerte wie z.B. ein Kraftwerk, Ausrüstung oder Grund
  • Finanzielle Vermögenswerte wie z.B. Bargeld, Sicherheiten, Kreditfähigkeit
Immaterielle Werte (Intangible Assets)
  • Technologien wie z.B. Patente, Urheberrechte, Handelsgeheimnisse
  • Kultur
  • Reputation wie z.B. Markenbild, Handelsbeziehungen
Menschliches Kapital (Human Assets)
  • Fähigkeiten
  • Wissen
  • Kapazitäten

Praxisbeispiel

Praxisbeispiel für die strategische Schicht bei ArchiMate 3.0

In diesem Beispiel eines Online-Händlers gibt es die Handlungen Ausbleibende Zahlungen verfolgen und Betrugsfälle verhindern.
Die Handlung Ausbleibende Zahlungen verfolgen beeinflusst positiv (verstärkt) das Ergebnis Zahlungsausfälle reduziert. Die Handlung Betrugsfälle verhindern beeinflusst positiv das Ergebnis Betrugsfälle reduziert, welches widerum das Ergebnis Zahlungsausfälle reduziert positiv beeinflusst.
Die Geschäftsfähigkeiten Inkassobeauftragung, Mahnwesen und Lastschriftsperre dienen der Handlung Ausbleibende Zahlungen verfolgen, wobei der Geschäftsfähigkeit Inkassobeauftragung die Ressource Inkassobüro zugewiesen ist.
Die Geschäftsfähigkeiten Lastschriftsperre und Betrugsprävention dienen der Handlung Betrugsfälle verhindern. Die Geschäftsfähigkeit Lastschriftsperre dient auch der Geschäftsfähigkeit Mahnwesen.
Der Geschäftsfähigkeit Betrugsprävention ist die Ressource Scoring-Patent zugewiesen.

Quellen

[1] Andrew Josey et al.: ArchiMate 3.0 - A Pocket Guide. The Open Group. The Open Group Series; Van Haren Publishing, 2016.

Freitag, 17. März 2017

Hier kommt ArchiMate 3.0

Seit Juni 2016 existiert die Version 3.0 des ArchiMate Standards der Open Group. Ich habe mir den Standard angeschaut und bin so sehr davon begeistert, dass ich es nicht für mich behalten möchte.

Kurzvorstellung

Bei ArchiMate handelt es sich um eine Modellierungssprache, die speziell zur Modellierung von Unternehmensarchitekturen entwickelt wurde.
Die Sprache erlaubt die Definition von Strukturen und Betriebsabläufen von Geschäftsprozessen, Organisationsstrukturen, Informationsflüssen, IT-Systemen und technischer Infrastuktur. [1]
Bemerkenswert ist hierbei vor allem, dass die verschiedenen Architektursichten auf die rein fachliche Welt, die Anwendungen und die Technologie darunter miteinander vereint werden können.
Mit entsprechenden Modellierungswerkzeugen kann so eine ganzheitliche Dokumentation eines Unternehmens erzeugt werden; vor allem dann, wenn die Geschäftsprozesselemente mit den ausmodellierten BPMN-Elementen verknüpft werden.

Konzept und Schichtenmodell

Um eine klare Sicht auf die unterschiedlichen Architekturaspekte eines Unternehmens zu erhalten, gibt es bei ArchiMate seit Beginn der Einführung ein übergreifendes Modell, welches die Elemente in Dimensionen nach Zweck und Art einteilt.

Das vollständige ArchiMate 3.0 Framework mit Erweiterungen [2]
Im abgebildeten Modell bilden die Spalten die Aspekte und die Zeilen die Schichten ab. Die dargestellten Farben werden tatsächlich von den meisten Modellierungswerkzeugen so übernommen. Das erleichtert den schnellen Einstieg und die Übersicht in neuen Modelle.

Aspekte klassifizieren das Objekt

Es wird zwischen drei Aspekten unterschieden: Aktive Strukturen, Verhalten und Passive Strukturen. Diese können mit dem Satzbau in der natürlichen Sprache verglichen werden.
Die aktiven Strukturen sind das Nomen (Mensch/System/Software), das Verhalten repräsentiert das Verb (dienen, realisieren, kapseln, verknüpft sein mit) und die passiven Strukturen das Objekt (Dokument, Datenbanktabelle). [3, S. 27]
Die Elemente (Struktur und Verhalten) sind in ArchiMate durch Beziehungen miteinander verknüpft. Eine Beziehung kann gerichtet (Darstellung mit Pfeil oder Diamant) oder ungerichtet (einfache Linie) sein. Sie gibt Auskunft darüber, in welchem Verhältnis die Elemente zueinander stehen.

Strukturen, Verhalten und Beziehungen in ArchiMate 3.0

Schichten klassifizieren das Umfeld/den Einsatzzweck

Motivationsschicht (Motivation). In dieser Schicht wird schichtenübergreifend modelliert, warum etwas getan wird. Diese Schicht kann auf jeder anderen Ebene referenziert und verknüpft werden.
Strategieschicht (Strategy). Die Strategieschicht legt dar, welche Geschäftsziele mit welchem Maßnahmen umgesetzt werden sollen.
Fachliche Schicht (Business). Die fachliche Schicht bildet ab, mit welchen Prozessen und Geschäftsfunktionalitäten die in der Strategieschicht definierten Maßnahmen umgesetzt werden.
Anwendungsschicht (Application). Die Anwendungsschicht unterstützt durch Softwarekomponenten, Schnittstellen und Services die fachliche Schicht bei der Umsetzung.
Technische Schicht (Technology). Die technische Schicht stellt die IT-Systeme und Gerätschaften bereit, mit denen den Anwendungen der tägliche Betrieb ermöglicht wird.
Physische Schicht (Physical). Hier werden die untergelagerten technischen Prozesse wie z.B. eine Produktionsstätte sowie die Verwendung von Materialien abgebildet.
Implementierung & Migration (Implementation and Migration). Mit dieser Schicht lässt sich abbilden, welche markanten Software-Entwicklungsziele es gibt und mit welchen Arbeitspaketen daran gearbeitet wird.

Im Rahmen der nächsten Beiträge werde ich die einzelnen Schichten sowie die darin enthaltenen Elemente genauer beschreiben und mit konkreten Beispielen besser greifbar machen.

Quellen:

[1] ArchiMate - Wikipedia, https://en.wikipedia.org/wiki/ArchiMate
[2] ArchiMate 3.0 Speficication - The Open Group. http://pubs.opengroup.org/architecture/archimate3-doc/chap03.html
[3] Andrew Josey et al.: ArchiMate 3.0 - A Pocket Guide. The Open Group. The Open Group Series; Van Haren Publishing, 2016.

Donnerstag, 14. Mai 2015

BPM Architektur: Übersicht der Bestandteile

Wie alle Systeme hat auch ein BPM System eine Architektur inne. Diese variiert in ihrer Komplexität je nach Zweck und Integrationstiefe des BPM-Systems und muss dem jeweiligen Kontext angepasst werden.

Die in diesem Blog vorgestellte BPM Architektur stellt einen allgemeine Architekturansatz dar, der sich in vielen Aspekten an die Auffassung von Gartner[1] anlehnt. Jede der nachfolgend genannten Schichten (inklusiver ihrer Komponenten) wird in zukünftigen Beiträgen näher beschrieben.

Die Schichten einer allgemeinen BPM-Architektur.

Benutzerinteraktion

Die menschliche Integration in den Ablauf der automatisierten Prozesse mit Hilfe von Benutzerschnittstellen. Die Prozessteilnehmer müssen mit UI-Komponenten interagieren und Informationen einholen oder bereitstellen, die zur Lösung der Ihnen gestellten Aufgaben dienen und den Prozess vorantreiben.
Die Benutzerinteraktionskomponenten sind die Mechanismen, mit denen alle Prozess-Stakeholder - inklusive Prozessteilnehmer, Prozess-Owner, Prozessanalysten oder IT-Abteilung - interagieren.

Design-Time

Die Design-Time Komponenten unterstützen die Dokumentation und die Analyse der Geschäftsprozesse. Die Prozesstreibenden benötigen eine Infrastruktur, welche sie beim Design oder der Modellierung von Prozessen und dem Erschaffen von Prozessautomatisierungsmaßnahmen unterstützt. Dies umfasst u.a.:
■ Prozess-Design
■ Regeldefinition
■ Benutzerinteraktions-Design
■ Simulations-Design
■ KPI Definition
■ Solution Development

Plattform-Persistenz

Die Plattformpersistenzkomponenten werden benötigt, um die Zustände und aufgetretenen Ereignisse von Prozessschritten und davon abhängige Aktionen zu persistieren. Dies ermöglicht auch eine retrospektive Analyse der Prozessinstanzen und Governance-Maßnahmen.

Laufzeit (Runtime Hosting)

Die Laufzeitkomponente ermöglicht den Betrieb der Prozess-Engine und bietet zudem eine unterstützende Umgebung in Form von vermittelnden Systemen, Middleware und Monitoring-Möglichkeiten. 

Sicherheit

Die Sicherheitskomponenten unterstützen die Integration sicherheitsrelevanter Features wie z.B. SSO (Single-Sign-On) und Berechtigungssysteme.

Enterprise Service Bus

Der Enterprise Service Bus stellt im Rahmen einer SOA-Architektur den zentralen Zugriffspunkt für Dienste und Datenmodelle dar. Er ist protokollunabhängige Middleware für unterschiedliche
Plattformen und Technologien. Zudem übernimmt er wiederkehrende Aufgaben, wie z. B. das Wandeln von Protokollen, das Filtern und das Routen von Nachrichten.

Datenquellen/Enterprise Systeme

Die Datenquellen und Enterprise-Systeme bilden die unternehmensweite Datenbasis, in welcher die Datenobjekte persistiert werden.
Übersicht der Schichten und Komponenten eines BPM-Systems.

Quellen

[1] Gartner: "Business Process Management Infrastructure"; Richard Watson & Anne Thomas Manes; 2012.