Montag, 16. Dezember 2013

Aktivitäten in BPMN 2.0

Eine Aktivität („Activity“ oder auch „Task“) stellt eine Arbeitseinheit eines Prozesses dar. Sie kann selbst Aktivitäten beinhalten; dann wird sie als Teilprozess („Sub-Process“) bezeichnet. Eine Aktivität wird immer als ein Rechteck mit abgerundeten Ecken dargestellt und kann in vielen Ausprägungen vorkommen. Aktivitäten werden durch gerichtete Kanten miteinander verbunden, die Sequenzflüsse („Sequence flows“) genannt werden.
Aktivitätsarten in der BPMN 2.0

Aktivitätstypen

Optional kann ein kleines Symbol in der linken oberen Ecke Auskunft über den Aktivitätstyp (z.B. „Human Task“ oder „Service Task“) geben. In der BPMN wird zwischen verschiedenen Aktivitätstypen unterschieden, die jeweils den Charakter einer Aktivität beschreiben.
Diese Aktivitätstypen sind mit Ausnahme des Typs „Manuell“ für die Abläufe innerhalb der Process Engine konzipiert. Eine „Benutzer“-Aktivität ist demzufolge als eine Aufgabe zu verstehen, welche die Process Engine an eine menschliche Rolle richtet.
Aktivitätstypen in der BPMN 2.0

Typmarkierung

Die Typmarkierung von Aktivitäten ermöglicht u.a. eine einfache Übersicht über Zugriffe auf andere technische Systeme bzw. deren Schnittstellen. Da ein Teilprozess mehrere (unterschiedliche) Aktivitäten repräsentiert, können Teilprozesse und Aufrufteilprozesse keine Typmarkierungen erhalten.

Samstag, 14. Dezember 2013

Einführung in das Geschäftsprozessmanagement

Es gibt viele Wissensrepräsentationsformulismen, um die Umwelt zu beschreiben. Oft werden Texte verfasst, Diagramme erstellt, Karten gezeichnet oder Modelle erstellt.

Modelle

Modelle stellen im Allgemeinen eine vereinfachte Sicht auf einen Sachverhalt dar. Der Grad der Vereinfachung wird dabei durch den Modellierenden festgelegt. Dieser wählt anhand eines definierten Rahmens (Zielgruppe, Zeitpunkt, Zweck), welche Attribute des Originals in das Modell übernommen werden sollen. [1]

In einem Unternehmen werden mit Hilfe der Prozessmodellierung die hauseigenen Geschäftsprozesse erfasst und sichtbar gemacht. Die so entstandenen Geschäftsprozessmodelle bilden die Grundlage für ein gemeinsames Verständnis über die verschiedenen Ebenen der Wertschöpfungskette sowie deren unterstützenden Prozesse.
Prozessmodelle helfen bei der Orientierung im unternehmensweiten Prozessgefüge.

Der Wandel der Prozesse

Durch den Einsatz von technischen Systemen wie z.B. einem Enterprise-Resource-Planning (ERP)-System, Customer-Relationship-Management (CRM)-System oder einem Document Management System (DMS) werden zunehmend aus manuellen „Offline-Tätigkeiten“ elektronische Prozessschritte.
Damit die IT den Ansprüchen aus den Fachabteilungen gerecht werden kann, werden abstrahierte Vereinbarungen getroffen, deren Anforderungen in einem iterativen Prozess konkretisiert werden.

Technische Modellierung

Für eine Realisierung dieser Anforderungen werden technikzentrierte Modelle, Schnittstellenbeschreibungen und Strukturen von Geschäftsprozessobjekten erstellt, die der IT zur Dokumentation und Verifizierung dienen. Der Grundgedanke dieser technischen Prozessmodellierung
"ist die explizite Repräsentation von dynamischen Aspekten eines Systems. Durch die explizite Repräsentation ist nicht nur eine verbesserte Wart- und Erweiterbarkeit durch Techniken wie automatische Codegenerierung gegeben, vielmehr wird dadurch erst die Erstellung von komplexen Systemen ermöglicht." [2]
Technische Modelle helfen bei komplexen Vorhaben enorm.

Der Ursprung des Prozesswesens

Das bewusste Planen, Optimieren und Steuern von Geschäftsprozessen wird Geschäftsprozessmanagement genannt. Es wurde ca. 1776 durch Adam Smith und seine Arbeit "Wohlstand der Nationen" begründet. Smith hatte damals festgestellt, dass durch Arbeitsteilung und Spezialisierung eine enorme Steigerung der Produktivität erreicht werden kann. [3]

Wandel der Organisation

Das heutige Verständnis des Prozesswesens sowie dessen Struktur ist stark durch das Jahr 1930 beeinflusst, als zunehmend eine Trennung der Organisationsbetrachtung in Aufbau- und Ablauforganisation gefordert wurde. Infolgedessen ergab sich ein Wandel der Unternehmenssichtweise, sodass nun nicht mehr die Strategie die Struktur vorgibt, sondern die aus der Strategie entspringenden Prozesse. [4]
Es folgte eine Organisierung der Mitarbeiter nach funktional getrennten, aber prozessual zusammengehörigen Aufgaben. Den Mitarbeitern wurden so Einblicke in die jeweils vor- und nachgelagerte Tätigkeit ermöglicht.
Das Prozesswesen und die Organisationsbetrachtung hängen eng zusammen.

Eigenverantwortung für den Mitarbeiter

Durch das Prinzip der Subsidiarität - eine Maxime, welche die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung anstrebt - wurden dem Mitarbeiter mehr Handlungsfreiraum und größere Verantwortung gegeben. [5] Gerade bei komplexen Geschäftsprozessen obliegt es somit dem Mitarbeiter, wie im Einzelfall verfahren werden soll, wie der Kunde behandelt wird und wie somit das Unternehmen nach außen hin wahrgenommen wird.

Prozessstandardisierung

Um sowohl in der Prozessqualität als auch im Unternehmensbild die notwendige Konsistenz zu erreichen, gibt es Arbeitsanweisungen und -vorschriften. Diese Anweisungen können sowohl den Prozess als Ganzen abstrahiert beschreiben als auch genaue Anweisungen für den operativen Part enthalten.
Arbeitsanweisungen dienen der Einhaltung von Qualitätsvorgaben und Prozesskonsistenz.

Notwendigkeit von BPMS

Da jedoch einige Prozessregelungen wegen ihrer Komplexität nur schwierig in einer vollständigen Form in den Köpfen der Mitarbeiter verankert werden können, ein erheblicher Schulungsaufwand damit verbunden ist und die Verzögerung von der geplanten Prozessänderung bis zur geänderten Prozessausführung geschäftsschädigend sein kann, wurden IT-gestützte Maßnahmen verlangt.
Das heutige Business Process Management ist durch den Einsatz von Business Process Management Suites (BPMS) in der Lage, Prozesse zu automatisieren und zu überwachen und somit für einen konsistenten Prozessfluss, schnellere Abarbeitungen und eine deutlich erhöhte Transparenz zu sorgen.

Quellen

[1] Herbert Stachowiak, Allgemeine Modelltheorie.
[2] Frank Puhlmann, Arnd Schnieders und Mathias Weske (Herausgeber): Prozessmodellierung. Potsdam, September 2009. Hasso Plattner Institut für Softwaresystemtechnik.
[3] Tim Weilkins, Christian Weiss und Andrea Grass: Basiswissen Geschäftsprozessmanagement. dpunkt.verlag GmbH, 2010.
[4] Wikipedia: Betriebswirtschaftliche Organisationslehre — Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Februar 2012.
[5] Wikipedia: Prozessmanagement — Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Februar 2012.

BPMN - Eine Notation revolutioniert Fachmodelle

BPMN steht für "Business Process Model and Notation" und ist ein relativ neuer Standard zur Modellierung von Geschäftsprozessen und Prozessumgebungen. Die BPMN wird von der Object Management Group (OMG) vorangetrieben und stellt mittlerweile eine Grundvoraussetzung für das Geschäftsprozessmanagement dar. [1]

Die BPMN wurde speziell so entwickelt, dass sie einfach zu verstehen ist und dennoch komplexe Geschäftsprozesse abbilden kann. Der Informationsfluss eines Geschäftsprozesses wird durch eine Folge von Aktivitäten und ausgetauschten Nachrichten zwischen verschiedenen Rollen modelliert. [1][2]

Beispiel eines BPMN-Kollaborationsdiagramms.

Ziel von BPMN

Die OMG definiert, dass das primäre Ziel von BPMN darin liegt,
"eine Notation zu schaffen, die sehr einfach zu verstehen ist: sowohl von der Fachabteilung, vom Business-Analysten (der die ersten Entwürfe des Prozesses erstellt), vom technischen Entwickler (der für die Technologieimplementierung zur Abarbeitung des Prozesses verantwortlich ist, als auch für das Management, welches die Prozesse verwaltet und beobachtet.
Somit stellt die BPMN eine standardisierte Brücke für die Lücke zwischen dem Geschäftsprozessdesign und der Prozessimplementierung dar.
Ein weiteres, nicht weniger wichtiges Ziel besteht darin, sicherzustellen, dass XML-Sprachen, die für die Ausführung von Geschäftsprozessen gedacht sind (wie bspw. WS-BPEL), mit einer geschäftsorientierten Notation visualisiert werden können." [3]
BPMN als Brücke zwischen Design und Implementierung

Abgrenzung

BPMN ist nicht zur Modellierung von organisatorischen Strukturen, funktionalen Dekompositionen, Statusübergängen oder Datenmodellen geeignet. [3] Weiterhin handelt es sich nicht um eine Repräsentation im Sinne eines Datenflussdiagramms, obwohl es auch Teile des Datenflusses zeigt und Datenartefakte mit Aktivitäten assoziiert. [4]

Etwas Geschichtsunterricht: Die Historie von BPMN

Die Entwicklung der BPMN begann 2001 als Projekt von Stephen White unter dem Namen "Business Process Modeling Notation" und wurde im Mai 2004 im Namen der Business Process Management Initiative (BPMI) als Version 1.0 veröffentlicht.
Im Jahr 2005 ging die BPMI in der OMG auf, welche im Januar 2008 die Version 1.1 veröffentlichte. Die Änderung der Version 1.1 führte hauptsächlich "catching" und "throwing" Events ein. Im Januar wurde die Version 1.2 veröffentlicht, die vorwiegend aus kleineren Korrekturen bestand. [4]

Die im Januar 2011 veröffentlichte Version 2.0 enthält viele Neuerungen: neue Diagramme, Diagrammelemente und Prozessarten. Dabei wurde auch der Name von BPMN auf "Business Process Model and Notation" geändert, um auf das neue "formale Metamodell" hinzuweisen. [5]
Versionshistorie von BPMN 2.0

Wichtige Neuerungen in der Version 2.0

Die BPMN wurde bei der Version 2.0 vor allem in Hinblick auf Austauschbarkeit, Ausführbarkeit und Erweiterbarkeit optimiert. Vereinfacht beschrieben, beinhalten die Neuerungen folgendes:

Austauschbarkeit: Es wurde das offizielle Format "Business Process Definition Metamodel (BPDM) festgelegt, mit welchem der Transfer von BPMN-Modellen zwischen verschiedenen Modellierungswerkzeugen mit Gewährleistung einer gleichbleibenden Semantik möglich ist. [4]

Ausführbarkeit: BPMN entwickelt sich dahingehend, dass es direkt ausführbar ist und somit keine zusätzlichen Transformationen in Prozessausführungssprachen wie BPEL oder XPDL notwendig sind. [6]

Erweiterbarkeit: Mit Hilfe eines Erweiterungsmechanismus zur Serialisierung von BPMN und XML-Schemata können sowohl das Prozessmodell als auch die grafische Repräsentation erweitert werden. Somit können auch menschliche Prozesse besser definiert werden. [3]

Verschiedene Sichten: Die Darstellung und der Austausch von verschiedenen Perspektiven desselben Modells, sodass ein Nutzer sich auf sein spezielles Aufgabengebiet konzentrieren kann. [3]

Neue Diagramme: Mit den neuen Diagrammtypen können Orchestrierungen und Choreographien einzeln oder in andere Diagrammtypen integriert dargestellt werden. [4]

Quellen

[1] Martin Owen und Jog Raj: BPMN and Business Process Management. Popkin Software, September 2003
[2] Object Management Group: Business Process Model and Notation
[3] Object Management Group: Business Process Model and Notation 2.0 (BPMN), Januar 2011
[4] Wikipedia: Business Process Model and Notation — Wikipedia, The Free Encyclopedia, März 2012
[5] Jakob Freund und Bernd Rücker: Praxishandbuch BPMN 2.0. Carl Hanser Verlag München Wien, 3. Auflage Auflage, März 2012.
[6] Sebastian Klein und Erik Hagen: Adopting BPMN with ARIS. Whitepaper, Software AG, Oktober 2010.

Freitag, 13. Dezember 2013

Was ist Business Process Management (BPM)?

Begriffsdefinition von Business Process Management

Die Meinungen über die exakte Definition von Geschäftsprozessmanagement, auch Business
Process Management (BPM) genannt, ist in fast jeder Fachlektüre eine andere. Nach der European Association of BPM (EABPM), lautet die Definition von BPM wie folgt:
"Business Process Management ist ein systematischer Ansatz, um sowohl automatisierte als auch nicht-automatisierte Prozesse zu erfassen, zu gestalten, auszuführen, zu dokumentieren, zu messen, zu überwachen und zu steuern und damit auch nachhaltig die mit der Unternehmensstrategie abgestimmten Ziele zu erreichen. BPM umfasst die bewusste und zunehmend IT-gestützte Bestimmung, Verbesserung, Innovation und Erhaltung von End-to-end-Prozessen." [1] 
BPM ist ein wichtiger Baustein in der Unternehmensplanung und -optimierung.

Aspekte von BPM

Mark Treat stellt in seinem Artikel über die Definition von BPM zusammenfassend fest, dass BPM gleichzeitig folgendes darstellt [2]:
  • ein Prozess zur Verwaltung der Geschäftsprozesse
  • eine Management-Disziplin
  • eine Technologie oder ein Set von Technologien
  • ein Framework zur schnellen Entwicklung von Anwendungen

Der Prozessbegriff

Dabei wird unter einem solchen Geschäftsprozess
"die inhaltlich abgeschlossene, zeitlich-sachologische Abfolge der Funktionen verstanden, die zur Bearbeitung eines betriebswirtschaftlichen Objekts notwendig sind." [3]
Prozesse werden mit Hilfe von BPM beschrieben, gesteuert, modelliert, überwacht und optimiert. Dies geschieht durch den Einsatz eines BPMS (Business Process Management System).
Ein Geschäftsprozess realisiert ein unternehmerisches Ziel.

Prozessautomatisierung per Software

Mit Hilfe eines solchen BPMS können manuelle Prozesse elimiert und das Routen von Anfragen zwischen Abteilungen und Anwendungen automatisiert werden. [4] Die Vorteile sind eine erhöhte Sichtbarkeit, identifizierte Flaschenhälse, Optimierung der Ressourcennutzung, Reduktion der Durchlaufzeiten und eine Redefinition von Rollen und Pflichten. [5]

BPM ist nicht gleich BPM

Die Abkürzung "BPM" steht gleichzeitig für "Business Process Management" als auch für "Business Process Modelling" (Geschäftsprozessmodellierung). Während Geschäftsprozessmanagement wie bereits beschrieben die Verwaltung und Verbesserung von Geschäftsprozessen umfasst, so beinhaltet die Geschäftsprozessmodellierung ausschließlich wissenschaftliche Repräsentationsformulismen zur Beschreibung von
"Praktiken oder Maßnahmen, ... um alle Aspekte eines Geschäftsprozesses darstellen oder beschreiben zu können. Dazu gehören der Ablauf, Kontroll- und Entscheidungspunkte, Trigger und Bedingungen für den Aufruf von Aktivitäten, der Kontext, in dem eine Aktivität stattfindet und die dazugehörigen Ressourcen." [6]
Ein Prozessmodell stellt eine grafische Repräsentation eines Prozesses dar.

Dieser Blog befasst sich sowohl mit der Modellierung als auch der Planung und Ausführung von Geschäftsprozessen.

Quellen:

[1] European Association of BPM: BPM Common Body of Knowledge
[2] Mark Treat: What is BPM anyway?, Dezember 2006.
[3] Tobias Rieke: Theoretische Grundlagen der Prozessmodellierung. Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Dezember 2003.
[4] OMG: Business Process Model and Notation (BPMN), Januar 2011
[5] Stephen Tillemans: An Introduction to Business Process Management, University of Stellenbosch Business School, August 2010
[6] Nicolai Josuttis: SOA in der Praxis. dpunkt.verlag GmbH, 2009.